Juli ist vielleicht der Monat, in dem sich die Schweiz am meisten wie Urlaub anfühlt. Die Tage sind lang, die Berge grüner als je zuvor und plötzlich scheint jeder in jeder freien Minute draußen zu sein. Nach der Arbeit noch in einem See schwimmen, am Wochenende in die Berge oder spontan ein Festival besuchen. Es ist so ein Monat, in dem man wieder einmal denkt: Okay, hier zu leben ist doch wirklich etwas Besonderes.
Es ist auch der Monat, in dem man deutlich merkt, wie beliebt die Schweiz ist. Züge in die Berge sind voller, bekannte Orte werden belebt und an einem sonnigen Tag scheint das halbe Land draußen zu sein. Gerade deshalb ist es nützlich zu wissen, was man diesen Monat unternehmen kann, worauf man achten sollte und wo man noch etwas Ruhe findet.
Hier sind drei Dinge, die man diesen Monat in der Schweiz erleben kann.
Im Juni fühlt sich der Sommer oft schon an, als hätte er begonnen, aber im Juli öffnet die Bergsaison erst richtig. Viele höhere Wanderwege und Bergpässe sind dann besser zugänglich. Wo man im Mai oder Juni noch auf Schneefelder stoßen kann, lassen sich im Juli endlich die Wanderungen unternehmen, die schon seit Monaten auf der Liste stehen.
Für viele Physiotherapeuten, die gerade erst in der Schweiz leben, ist dies auch der Moment, in dem man entdeckt, dass Wandern hier etwas ganz anderes ist als nur ein Spaziergang. Zwölf Kilometer mit 1200 Höhenmetern fühlen sich nun mal anders an als zwölf Kilometer durch den Wald in den Niederlanden. Aber genau das macht es so schön. Man muss nicht gleich die schwierigste Route wählen. Beginnen Sie mit einer gut markierten Wanderung, prüfen Sie die Höhe, achten Sie auf das Wetter und steigern Sie sich langsam.
Was ich persönlich im Juli immer wichtig finde: früh starten. Nicht nur, weil es dann ruhiger ist, sondern auch, weil das Wetter in den Bergen später am Tag schneller umschlagen kann. Auch im Juli nehme ich fast immer eine Regenjacke und eine warme Schicht mit. Unten können es 30 Grad sein, über 2000 Metern fühlt es sich plötzlich komplett anders an.
Prüfen Sie also immer das Wetter, informieren Sie sich über die aktuellen Wegbedingungen und nutzen Sie Webcams, bevor Sie aufbrechen. Unterschätzen Sie die Höhenmeter nicht, dann ist dies einer der schönsten Monate, um die Schweiz zu entdecken.
Nicht alles im Juli muss sich um Berge drehen. Die Schweiz hat diesen Monat auch eine ausgeprägte Festival- und Event-Atmosphäre. Überall gibt es Open-Air-Konzerte, Foodstände, Sommerbars und Veranstaltungen am Wasser. Besonders wenn man gerade erst umgezogen ist, sind solche Abende eine einfache Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Wir haben bereits einen ganzen Blog darüber geschrieben: Freunde finden in der Schweiz.
Ein paar Highlights diesen Monat:
Das Montreux Jazz Festival (3. bis 18. Juli) ist wahrscheinlich das bekannteste des Landes und feiert dieses Jahr seine 60. Ausgabe. Montreux liegt direkt am Genfersee und während des Festivals verwandelt sich die gesamte Promenade in eine große Mischung aus Musik, Essen, Menschen und Sommerabendstimmung. Gut zu wissen: Ein Großteil des Programms ist kostenlos. Auch ohne Ticket für ein großes Konzert lohnt es sich, dort einen Abend lang herumzuschlendern.
Caliente! in Zürich (3. bis 5. Juli) ist das größte Latin Festival Europas. Musik, Tanz, Streetfood und viel Sommerenergie mitten in der Stadt. Wenn du in oder um Zürich wohnst, kannst du es spontan mitnehmen. Der Familiensonntag ist sogar kostenlos.
Das Gurtenfestival in Bern (15. bis 18. Juli) findet auf einem Berg oberhalb der Stadt statt. Das klingt schon sehr schweizerisch. Musik, Blick über Bern und eine entspannte Open-Air-Atmosphäre. Selbst wenn du normalerweise nicht oft auf Festivals gehst, ist das eine schöne Erfahrung.
Paléo in Nyon (21. bis 26. Juli) ist eines der größten Open-Air-Festivals des Landes, zwischen Genf und Lausanne. Das ist eher ein Festival, für das man wirklich einen Tag oder ein Wochenende einplant. Kleiner Hinweis: Die Karten sind oft blitzschnell ausverkauft, also achte genau auf die letzten Tickets, die sie jeden Morgen des Festivals noch verkaufen.
Was ich selbst an solchen Events mag, ist, dass man die Schweiz mal auf eine andere Art kennenlernt. Nicht nur Berge, Seen und Wanderungen, sondern auch Städte, die im Sommer richtig aufleben. Und man muss nicht immer zu den größten Namen. In fast jeder Stadt gibt es im Juli kleinere Open-Air-Kinos, Sommerbars, Dorffeste oder Konzerte. Manchmal sind gerade diese lokalen Events am schönsten.
Juli ist großartig, und ja, es ist auch belebt. Die Schweiz ist diesen Monat bei Einheimischen und Touristen aus aller Welt beliebt. Orte wie Lauterbrunnen, Grindelwald, Oeschinensee, Rigi, Stoos und Caumasee sind wunderschön, aber an einem sonnigen Julitag bist du dort sicher nicht allein.
Das bedeutet nicht, dass du diese Orte meiden solltest. Manchmal sind sie aus gutem Grund beliebt. Aber wenn du gerade erst in der Schweiz wohnst, ist es auch eine Überraschung zu entdecken, dass es so viele Orte gibt, wo es sich ruhiger anfühlt. Nicht unbedingt geheim, aber weniger Instagram-berühmt.
Ein paar meiner Favoriten:
Bannalp (Nidwalden) liegt nicht weit von Engelberg, fühlt sich aber deutlich ruhiger an als die bekannten Orte rund um Titlis oder Brunni. Ein wunderschöner Bergsee, gute Wanderwege und dieses authentische Innerschweizer Gefühl.
Sörenberg und das Entlebuch sind ideal, wenn man den Trubel rund um Luzern, Pilatus oder Rigi vermeiden möchte. Grün, ruhig und oft viel lokaler.
Das Schächental (Uri) ist so ein Tal, wo man sofort merkt, dass man abseits der üblichen Touristenpfade ist. Viele Berge, kleine Seilbahnen, Bauernhöfe und Wanderungen mit Aussicht, aber weniger überlaufen als die grossen Namen im Berner Oberland.
Die Gantrisch-Region ist von Bern aus gut erreichbar und perfekt, wenn man ein Berggefühl erleben möchte, ohne gleich nach Interlaken oder Grindelwald zu fahren. Schöne Hügel, Alpenblick und oft mehr Einheimische als Touristen.
Glarus und die Mettmenalp werden oft vergessen, und genau das macht sie so reizvoll. Raue Berge, schöne Seen und Wanderungen, die ruhiger sind als die bekannten Orte in Graubünden oder dem Berner Oberland. Besonders die Mettmenalp kennen viele noch nicht, aber sie lohnt sich wirklich.
Mein Tipp für Juli: Entscheide dich manchmal bewusst für einen weniger bekannten Ort. Nicht, weil die bekannten Orte nicht schön wären, sondern weil die Schweiz so viel mehr zu bieten hat, als das, was man ständig auf Instagram sieht.
Und möchtest du trotzdem an einen beliebten Ort? Geh früh. Richtig früh. Steh nicht um 10:30 Uhr an der Seilbahn, sondern versuche, die erste Bahn oder den ersten Lift zu nehmen. Dann hast du oft noch ein paar Stunden, in denen es ruhig ist und sich der Ort komplett anders anfühlt.
Juli ist der Monat des frühen Aufstehens, hoher Berge, warmer Täler, voller Züge Richtung Alpen und Städte, die abends zum Leben erwachen. Manchmal etwas belebter, aber auch genau der Monat, in dem man hier so viel aus dem Leben herausholen kann. Eine Wanderung vor der Arbeit, Schwimmen nach der Schicht, ein Festival am Wochenende oder einen ruhigen lokalen Ort entdecken, den man noch nicht kannte.
Bist du gerade in die Schweiz gezogen? Versuch diesen Monat wirklich rauszugehen. Nicht alles muss groß oder perfekt geplant sein. Manchmal reicht schon ein einfacher Abendspaziergang, ein spontanes Event oder eine Zugfahrt zu einem unbekannten Ort, um zu denken: Ja, dafür bin ich in die Schweiz gekommen.
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