In ihrem ersten Monat in der Schweiz stand Loes (36) im Regen an einer Viehschau in Wald. Als grosser Kuhfan wollte sie die auf keinen Fall verpassen. „Alles lief auf Schweizerdeutsch und wir haben nichts verstanden.“ Inzwischen wohnt sie seit einem Jahr in Zürich, nach ihrem Studium in Groningen und zehn Jahren als Physiotherapeutin in Zeist.

Der Freund von Loes hat in Deutschland promoviert, weshalb die beiden lange nicht zusammenwohnten. Als er eine Postdoc-Stelle suchte, schauten sie nach einem Ort, an dem auch Loes gut arbeiten konnte. Er kannte Zürich schon von ein paar Monaten Arbeit und wusste, wie schön die Stadt ist. Über Umwege kam Loes mit einem niederländischen Physiotherapeuten in Kontakt, der ihr den Tipp gab, sich an takeoff zu wenden. Zwischen Entscheid und Umzug lag wenig Zeit, aber alles lief gut. Im ersten Monat arbeitete sie bewusst noch nicht: Sie erledigte die Formalitäten, erkundete die Stadt und suchte sich einen Sportverein. Danach hatte sie schnell drei Vorstellungsgespräche.

Den grössten Unterschied zu den Niederlanden merkt Loes bei der Arbeit. „Meine Agenda ist immer voll, aber ich arbeite ruhiger. Ich habe weniger Administration und bekomme mehr Zeit dafür.“ Weil die Physiotherapie in der Schweiz anders geregelt ist, hat sie oft mehr Zeit pro Patient als in den Niederlanden, wo Leute manchmal nur für drei oder sechs Behandlungen versichert sind. Das Vorstellungsgespräch auf Deutsch fand sie aufregend. „Man hat sehr verständnisvoll auf mein holpriges Deutsch reagiert.“ Sie suchte einen Arbeitsplatz mit einer gemütlichen Atmosphäre und hat ihn auch gefunden.
Loes ist keine Wintersportlerin. „Manchmal fühle ich mich wie eine Fake-Schweizerin, wenn am Wochenende alle auf die Piste gehen, aber die Schweiz hat mehr zu bieten.“ Sie entdeckt immer mehr vom Land und findet es lustig, dass jeder Kanton, jede Stadt und jedes Dorf eigene Traditionen hat. Die Verbrennung des Böögg am Sechseläuten in Zürich hat ihr grossen Spass gemacht. Deutsch fand sie in der Schule schrecklich, heute mag sie es. Sie liest deutsche Bücher im ÖV und hört beim Joggen einen deutschen Podcast.



Rückblickend würde Loes wenig anders machen, bis auf eine Sache. „Hätte ich früher gewusst, dass wir gehen, hätte ich auch früher mit Deutsch angefangen. Aber es geht viel schneller, sobald du mittendrin bist und den ganzen Tag Deutsch sprichst.“ Wer zweifelt, dem sagt sie: „Mach es, du wirst es wahrscheinlich nicht bereuen. Die Schweiz ist ein wunderschönes Land, und im Ausland zu leben und zu arbeiten ist eine tolle Erfahrung.“
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