
Nach 5 Jahren in der Schweiz fühlt sich vieles inzwischen normal an. Ich weiss, wie der ÖV funktioniert, ich erschrecke nicht mehr bei jedem Supermarktpreis und ich verstehe mittlerweile einigermassen, wie das System hier funktioniert. Aber ehrlich? Es gibt immer noch genug Dinge, an die ich mich als Niederländer gewöhnen muss.
Mal praktisch, mal lustig, mal super praktisch und mal einfach typisch schweizerisch. Also, hier sind sie: 8 Dinge in der Schweiz, an die ich mich nach 5 Jahren immer noch gewöhnen muss.
In den Niederlanden war ich gewohnt, abends noch schnell in den Supermarkt gehen zu können. Hier musst du dich nach der Arbeit manchmal plötzlich beeilen, weil viele Läden gegen 19:00 schliessen. Und am Sonntag? Da ist fast alles zu. Am Anfang fand ich das wirklich unpraktisch. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, aber manchmal stehe ich am Samstagabend immer noch da und denke: ach ja, morgen kriege ich nichts mehr. Andererseits hat es auch etwas. Der Sonntag fühlt sich hier wirklich wie Sonntag an: ruhiger, weniger Reize, und fast alle sind draussen, zu Hause oder bei der Familie.
Das ist vielleicht eines der Dinge, die ich an der Schweiz am meisten schätze. Der Zug kommt nicht "ungefähr" um 08:14. Nein, er kommt einfach um 08:14. Und wenn er um 08:15 kommt, fühlt es sich schon an, als wäre etwas nicht in Ordnung. Als Niederländer musste ich mich daran am Anfang wirklich gewöhnen. In den Niederlanden rechnet man automatisch etwas Verspätung ein. Hier planst du ernsthaft auf die Minute. Das Komische ist: Nach einer Weile gewöhnst du dich daran und ärgerst dich plötzlich über 3 Minuten Verspätung, während du früher gedacht hättest: passt schon.
Abfall ist in der Schweiz fast ein Projekt für sich. Es gibt spezielle Säcke, Regeln für Glas, Papier, Karton und Grünabfall, und in vielen Gemeinden kannst du deinen Abfall nicht einfach an jedem beliebigen Tag rausstellen. Du musst genau wissen, an welchem Tag die Abfuhr kommt, wo der Sack stehen darf und ab wann du ihn rausstellen darfst. Am Anfang fühlte sich das übertrieben organisiert an. Inzwischen verstehe ich es besser, aber manchmal denke ich immer noch: In den Niederlanden habe ich das einfach in den Container geworfen, fertig.
Das ist dann wieder etwas, woran ich mich vielleicht zu schnell gewöhnt habe. TWINT ist grossartig. Du bezahlst deinen Kaffee damit, teilst eine Rechnung, bezahlst im Bergrestaurant, auf dem Markt, schickst Geld an Freunde und manchmal sogar am Hofautomaten irgendwo in einem Dorf. In den Niederlanden musste ich öfter überlegen: Bargeld, Karte, Tikkie? Hier heisst es meistens einfach: TWINT. Es ist so praktisch, dass ich mich inzwischen fast wundere, wenn etwas nicht mit TWINT geht. Nicht umsonst steht die App ganz oben auf so ziemlich jeder Liste der Apps, die du in der Schweiz wirklich brauchst.
Das bleibt für mich vielleicht das Verrückteste. Du arbeitest einen normalen Tag als Physio, ziehst danach deine Wanderschuhe an und stehst eine Stunde später irgendwo auf einem Bergweg mit Blick auf einen See, ein Tal oder schneebedeckte Gipfel. In den Niederlanden hiess "nach der Arbeit noch etwas machen" meistens Sport, ein kleiner Spaziergang oder essen gehen. Hier kann es plötzlich bedeuten, dass du noch eine kleine Wanderung machst, in einem See schwimmen gehst oder den Zug Richtung Berge nimmst. Du merkst schnell, dass auch eine volle Arbeitswoche genug Raum lässt, um die Schweiz zu entdecken. Auch nach 5 Jahren finde ich das immer noch nicht normal. Und vielleicht soll es das auch nie werden.
Die Schweiz ist modern, aber gleichzeitig auch sehr gut in Papierpost. Versicherung, Gemeinde, Bank, offizielle Briefe, Verträge und Rechnungen: Es landet hier immer noch überraschend viel einfach im Briefkasten. In den Niederlanden fühlte sich vieles schon digital an. Hier habe ich manchmal das Gefühl, dass wichtige Dinge erst richtig offiziell sind, wenn ein Brief dazu ankommt. Es gehört dazu, aber ich finde es immer noch amüsant, wie die Schweiz einerseits super effizient ist und sich andererseits noch sehr traditionell anfühlen kann.
Spontan abmachen geht natürlich auch, aber viele Schweizer planen Dinge gern früh. Eine Wanderung, ein Abendessen, ein Wochenende weg oder sogar ein einfaches Treffen kann manchmal schon Wochen im Voraus feststehen. Am Anfang fand ich das etwas steif. Inzwischen verstehe ich es besser, denn alle sind beschäftigt, Wochenenden sind schnell voll und viele sind oft draussen oder unterwegs. Trotzdem vermisse ich manchmal dieses niederländische "Wollen wir heute Abend einfach was machen?"-Gefühl. Andererseits: Wenn etwas geplant ist, findet es meistens auch wirklich statt. Das ist dann wieder sehr schweizerisch.
Wenn du in der Schweiz wohnst, lernst du schnell, dass Ruhe ernst genommen wird. Keine Waschmaschine am Sonntag, nicht zu viel Lärm nach einer bestimmten Zeit und kein Heimwerken zu unpassenden Momenten. In manchen Gebäuden sind die Regeln fast ein kleines Buch, gerade wenn du in einer WG wohnst. Am Anfang dachte ich manchmal: Muss das wirklich alles so genau sein? Aber ehrlicherweise sorgt es auch dafür, dass das Wohnen hier meist ruhig und gepflegt ist. Trotzdem bleibt es für mich als Niederländer manchmal gewöhnungsbedürftig, dass sogar das Planen deiner Wäsche fast Teil deiner Integration ist.
Wahrscheinlich gewöhnt man sich nie ganz daran. Und das ist völlig okay. Manche Dinge bleiben typisch schweizerisch, und genau das macht das Leben hier zu so einem Abenteuer. Die echten Anfängerfehler haben wir übrigens auch gemacht: Du findest sie in den 10 Fehlern aus unserem ersten Jahr in der Schweiz.
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